Schöner shoppen mit dem Misanthropen

Mehr Thilo-Content!

2010
09.03

Nun ist er also raus. Zumindest im Geiste. Über den Rest müssen die Gerichte entscheiden. Sarrazin ist in der SPD und bei der Bundesbank nun eine Persona non grata, unerwünscht. Bravo! Bravo?

Das die Sozen ihn vor die Tür schmeißen empfindet der Misanthrop nur als richtig und ohnehin seit Jahren überfällig. Ob menschenverachtende Äußerungen und das Bankgewerbe nun derart im Widerspruch zueinander stehen, lass ich allerdings mal offen. Widerlich bleibt die Rolle, die Sarrazin gesellschaftlich eingenommen hat, in die er gedrängt wurde.

Es ist ja nicht das Thema Integration, mit dem er soviel Wirbel verursacht. Das wird ja seit Jahren debattiert, weitestgehend auch ohne Tabus, allerdings auch ziemlich halbherzig (siehe Islamkonferenz oder Deutschlandfahnen an Türkenshops zur WM). Sarrazin hat sich ja durch seine unqualifizierte Lesart zur Vererbungslehre, zur Eugenik und zur Rassenhygiene erst in die Schlagzeilen gebracht, verweist im Anschluss aber wie ein geprügelter Hund jaulend, man möge doch sein Buch lesen, um ihn zu verstehen. Eigentlich meint er das ja alles ganz anders und bla. Er bricht ein berechtigtes Tabu (Rassenhygiene) und versucht im Anschluss die Empörung dergestalt aussehen zu lassen, als würde es um Integration gehen. Billiger Versuch.

Der Misanthrop aber möchte an dieser Stelle nicht zu politisch werden. Politik ist bekanntlich wie alles, was Menschen verzapfen, große und übel riechende Hundekacke. Entsprechend fühlt sich der Misanthrop durch den wohlsituierten aber zur interdisziplinären Wissenschaft geistig scheinbar nicht befähigten Bundesbanker nur bestätigt. Das man erst mit Rassenhygiene und Judengenen kommen, wie Rumpelstielzchen aufstampfen, sich gekränkt, falsch verstanden, heulend und grenzdebil zum Märtyrer stilisieren muss, ist mal wieder so typisch menschlich. Anders als durch derart schrille Kampagnen scheint man den Otto-Normal-Hedonisten wohl zwischen Bausparvertrag, Auto-Tuning und Biergenuss nicht mehr zum Nachdenken zu bewegen.

Diese Haltung ist es, wenn überhaupt, die Deutschland sich eines Tages wird abschaffen lassen. Und wisst ihr was? Ich find das gar nicht mal so schlecht.

Uns Thilo

2010
08.30

Wenn Menschen eines gut können, dann über Themen reden, von denen sie keine Ahnung haben. Dies gilt universal, quer durch alle Kulturen und die ganze Geschichte. Und es gilt auch für diese ganze leidige Debatte, um den kleinen Salonrassisten Thilo Sarrazin.

Der Misanthrop hat sein Buch nicht gelesen. Das nur vorweg. Und er wird es auch nicht tun, da diese ganze Skandalnudelei, die der Bundesbank-Vorstand durch Springer und Spiegel inszeniert, am Ende nur Kohle in seine ohnehin schon prall gestopften Taschen spült. Was den Misantrophen mitnichten daran hindert, auch seinen Senf in die Welt zu posaunen. Wie eben jeder momentan. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass der Misanthrop nur das bewertet, was er durch die Medien mitbekommt.

Und das sind zusammengefasst zwei Kernaussagen: Sarrazin fürchtet das Aussterben der Deutschen durch Überfremdung und stellt fest, dass es ein Juden-Gen gibt. Bejubelt wird er dafür von der christlichen Rechten (PI-News) und von der NPD. Außerdem könnte uns Thilo mit seinen Thesen einen 1A-Aushilfslehrer für Rassenkunde in der Volksschule der 30er und 40er Jahre mimen.

Allerdings fragt sich der Misanthrop dann doch, wie das eigentlich alles ganz praktisch funktionieren soll? Es ist ja nicht so, dass die Menschen erst seit der Erfindung der Boeing 747 in der Lage sind zu migrieren. Streng genommen vermischen sich die Menschen seit dem Zeitpunkt, als sie grunzend aus Afrika gehottet sind (der größte Fehler der Menschheitsgeschichte, by the way). Und einige total durchgeknallte, abgespacte und sowieso aus Prinzip linksextremistische Wissenschaftler behaupten gar, dass erst diese Wanderungsbewegungen, die Vermischung von Kulturen, die Reiberein und Annäherungen dabei, zu soetwas wie Fortschritt und Zivilisation geführt haben. Okay, mit den Ergebnissen Sklaverei, Stacheldraht und Atomlobby. So gesehen … ?

Wer sich allerdings hinstellt und behauptet, es würde ein “Juden-Gen” geben, der hat sie -mit Verlaub- nicht mehr alle beisammen. Buch hin, Integrationsprobleme her. Oder verändere ich meinen Gen-Pool plötzlich, wenn ich zum Judentum konvertiere? Und falls ja, muss ich dazu den offiziellen Weg über einen Rabbi gehen (der schwierig ist, weil das Judentum zu den wenigen erfreulichen Religionen gehört, die nicht die halbe Welt missionieren wollen) – oder reicht es, rein genetisch betrachtet, schon aus, wenn ich einfach ganz tief im Herzen beschließe, jetzt dem Talmund zu huldigen?

Das ist geistige Brandstiftung aus persönlicher Profit- und Profilierungsgier. Nichts anderes. Und die Spinner von PI-News machen mal wieder freudig mit, obwohl es ja eigentlich auch gegen den Feind ihres Feindes geht, dem sie deswegen (und weil nach der Apokalypse alle guten Christen wieder ins gelobte Land gelangen) eigentlich blind huldigen. Aber bei Herrn Sarrazin kommt mal wohl in einen ernsthaften inneren Konflikt.

Wulff – der Bundespräsident mit dem Valium-Faktor!

2010
06.03

Ausgerechnet Christian Wulff! Dieser Bengel aus Hannover, der sein ganzes Leben im Schatten größerer Personen stand. Der jahrelang erfolglos Opposition gegen Gerhard Schröder im niedersächsischen Landtag betrieb und von Angela Merkel politisch geradezu kastriert wurde. Diese profillose, dauergrinsende und bis zum erbrechen durchschnittliche Karrikatur eines Schwiegersohns, soll ausgerechnet das neue Staatsoberhaupt von Deutschland werden? Das beleidigt die Würde des Amtes!

Gut, Christian Wulff wird bisweilen immer noch als innerparteilicher Gegner von Frau Merkel gehandelt, weswegen es innerhalb ihrer Machtlogik nur konsequent ist, ihn zum Grußaugust von und zu Bellevue zu komplimentieren. Aber mal ganz ehrlich: Kann man den Wählern in Niedersachsen nicht einfach ein gratis Himbeereis versprechen, wenn sie Wulff abwählen? Der Misanthrop denkt: Dies wäre die hygienischte Lösung. Alles andere sorgt nur für politischen Tetanus.

Aber die Sache hat auch was Gutes. Wulff ist so langweilig, dass es nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass die solide “bürgerliche Mehrheit” bei der Bundesversammlung einfach hinwegschläft und am Ende doch Joachim Gauck, den die Sozen gerüchteweise zu BuPrä-Kandidaten erkührt haben, gewinnt. Gerüchteweise? Auf Wikipedia steht das schon als Fakt, dann muss es wohl auch stimmen.

Lena, lass die Finger von den Drogen!

2010
05.31

Den Misanthropen erreichte in der letzten Nacht eine Mail von einem gewissen “Seb”. “Seb” wollte wissen, was ich eigentlich vom Grand Prix Sieg “Lenas” halte und warum ich nicht längst ein paar Takte dazu geschrieben hätte. Nun lieber “Seb”, dass kann ich dir gerne beantworten.

Mir geht Lena am Allerwertesten vorbei. Das mal so ganz allgemein. Aber Desinteresse muss natürlich kein Grund sein, etwas nicht zu kommentieren. Wäre dem so, würde kein Mensch den “Eurovision Song Contest” schauen. Denn seien wir mal ehrlich: Wirklich spannend wird diese Veranstaltung doch erst, wenn diese ganzen nervigen Minderjährigen aufgehört haben, ihre Liedchen zu trällern, die ihnen amerikanische Produzenten für viel Kohle aufs Stimmband zugeschnitten haben. Hinter Lenas Song steht ja auch nicht Stefan Raab sondern Julie Frost.

Ich teile allerdings auch nicht “Sebs” Meinung, demnach jetzt einfach mal wieder eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Stefan Raab ist nicht Dieter Bohlen, dass muss man anerkennen. Bohlen verbrennt junge Talente am Fließband, Raab baut Musiker wie Stefanie Heinzmann oder Max Mutzke längerfristig auf. Auch wenn Raabs Schützlinge in der Regel durch eine Spießigkeit bis zum Erbrechen den konservativen Zeitgeist dieser Jahre bedienen. Aber er sieht in ihnen nicht nur Fleischhüllen, mit denen er sich die Taschen vollstopfen kann. Letztlich macht er halt großes Showbusiness – ein durchaus beachtlicher Imagewandel, wenn man sich an Ukulele zupfenden Rektalknoten erinnert, den er noch vor einigen Jahren mimen musste. Lobend muss man auch erwähnen, dass Raab wesentlich weniger kriecherisch mit BILD und Co. umgeht, wie Bohlen.

Zurück zu “Lena”: Natürlich ist das, was da gerade um das 18 Jährige Ding herum passiert, fürchterlich. Wäre sie drei Jahre jünger, hätte sie der Tauss noch auf seinem Handy. Jetzt aber haben wir alle sie auf unserm Handy und Deutschland erblödet sich nicht einmal, in ihr ein weiteres Symbol der Überwindung der Nazizeit zu sehen. Während “Lena” noch “total happy” ist, und die “Herzen Europas” mit ihrer “frechen Art” im Sturm erobert, deuteln gelangweilte Feuilletonisten bereits alles mögliche in sie hinein. Wann da der erste Skandal, der erste “kritische” Ton kommt, wann “Lena” fertig gemacht wird, ist doch nur eine Frage der Zeit. Der Misanthrop jedenfalls möchte nicht in ihrer bildschönen, makelosen Haut stecken.

Die Frage die bleibt ist doch nur, ob “Lena” nun in den nächsten zehn Jahren zum Heroin-Junkie wird, was in gewisser Weise am besten die geistig-moralische Verfassung dieser Nation beschreibt, oder sie noch einmal die Kurve kriegt. Vielleicht fragt die 3D-Cyberspace-iPad Ausgabe des Spiegels im Jahr 2050 ja auch: “Was ist eigentlich aus Lena geworden” – und betritt einen miefigen Raum ohne Tageslicht, wo eine alte Frau auf einem Schaukelstuhl sitzt und die Fotos ihrer Jugend (also Mai und Juni 2010) sehnsuchtsvoll betrachtet.

Neues vom Foxxconn-Campus

2010
05.30

Es lohnt sich mitunter, auch gedruckte Schriftwerke zu lesen. Sogar der aktuelle Spiegel ist empfehlenswert, findet sich doch eine kurze Reportage über die Foxxconn-Suizidfabrik in China. Der Misanthrop denkt: Die PR-Heinis dieser Knochenmühle sind wahre Meister der Menschenverachtung.

Zunächst einmal spricht man nicht vom “Fabrikgelände” sondern vom Campus – und begründet dies durch eine nett bepflanzte Hauptstraße auf dem Werksgelände, wo auch ein Fitnessstudio und ein Fast Food Restaurant die nahezu eingesperrten Arbeiter bei Laune halten. Und auch wenn in 9 Personen Zimmern niemand die rechte Muße dazu haben sollte: Für die Stubenhocker gibt es sogar einen firmeneigenen Fernsehkanal. Tolle Sache. Nach zwölf Stunden Arbeit, einem Cheeseburger und einer Stunde im Fitnessstudio hat da sicherlich jeder junge Lohnsklave noch Lust, sich auf diese Weise umfassend über das Weltgeschehen zu informieren.

Natürlich ist der PR-Lümmel, der den Spiegel mit Informationen bedient, auch nicht blind den Selbstmorden gegenüber. Aber hört man eine Stimme der Selbstkritik? Nein. Statt dessen wird von bedauerlichen psychischen Erkrankungen geschwaffelt, Problemen also, die letztlich im Arbeiter selbst liegen, aber keinesfalls mit den widerlichen Arbeitsbedingungen auf dem fröhlichen Foxxconn-Campus zurückzuführen sind. Der Misanthrop findet das prima: Das die Menschen im Zweifel für ihre Hirnlosigkeit auch noch selber verantwortlich sind, haben ja schon die Ikonen der Aufklärung gewusst. Nur das man ihnen in China nicht Mut zusprechen möchte, sich aus der selbstverschuldeten Unmüdigkeit zu befreien, sondern ihnen kurzerhand Selbstmord verbietet.

Nun mag man darüber schmunzeln. Aber, mal Hand aufs Herz: Deutsche Zustände bei Zeitarbeitsfirmen, im Niedriglohnsektor, in Scheinselbständigkeiten? Ganz so weit ist man ja auch nicht mehr von einer Welt wie Foxxconn entfernt. Und man darf sich ganz sicher sein: Könnten es die hiesigen Kapitalisten soweit kommen lassen, sie würden es. Und man kann ihnen nicht einmal einen Strick draus drehen: Wenn sie es nicht tun, tut es ihre Konkurrenz.

Kurzum: Wer also demnächst mal wieder grenzdebil für ein neues, sinnloses Produkt mit dem großen Apfel drauf irgendwo stundenlang in der Schlange steht: Der Selbstmord wandert locker flockig mit ins Täschchen.

EC-Karten Terror

2010
05.26

Im Problemviertel am Stadtrand, an den es den Misanthropen in dieser verkommenen Welt verschlagen hat, gibt es viele Discounter, aber keine Banken. Entsprechend schwierig ist es hier auch, mal eben Bargeld abzuheben. Die höchst fragwürdige Bezahlung mit EC-Karte ist dem Misanthropen deshalb unlängst lästige Gewohnheit geworden. Was aber, wenn das Kartengerät spinnt?

Zugegeben, das Konto des Misanthropen neigt sich dem Ende der “Kreditlinie” entgegen – noch ist sie aber nicht gänzlich ausgeschöpft. Den Einkauf im Wert von 8,95 Euro hätte sie jedenfalls noch verkraften können. Und ja – bevor hier jemand meckert – im Grunde sind Menschen die solche Pfennigbeträge mit der Karte zahlen, widerwärtige Geschöpfe. Der Misanthrop kennt aber auch die stille Freude, wenn die Empörung der reichen Menschen, die hinter ihm in der Schlange stehen, sich über diesen Bezahlvorgang still überschlagen.

Lustigerweise stand vor dem Misanthropen ein Ehepaar der Sorte “Alki”, denen es ebenfalls nicht mit ihrer Plastikkarte gelang, zu zahlen. Konsequenterweise haben sie Fleisch und Gemüse zurück ins Regal gebracht, den Wodka aber behalten. Und lustigerweise hat dieses Ehepaar mit der Kassiererin eine Wette abgeschlossen, dass das Kartengerät wohl auch beim nächsten Kunden spinnen würde. Ihr Konto wäre selbstverständlich gedeckt.

Nun – das wird wohl stimmen. Und der Misanthrop musste, in Ermangelung auch nur einen Euros Bargeld, seinen ganzen Einkauf zurück in die Aldi Regale schleppen. In diesen Zeiten weiß man wieder, warum man diese ganze Welt nur noch zu hassen in der Lage ist.

Griechenland und der Urnenpöbel

2010
05.21

Jetzt haben wir den Salat. Griechenland ist pleite, hundertausende hellenische Beamte müssen nun doch arbeiten, der Euro entwertet sich selbst und die Spekulanten reiben sich, als selbsternannte Finanzpolizei, schon gierig die Hände. Und inmitten dieser Farce sitzt eine handlungsunfähige Kanzlerin und spielt mit ihren Füssen.

Die Frage ist, was wird aus dem Euro? Oder besser gesagt: Wer soll einer Währung noch trauen, dessen Zentralbank eifirg griechische Staatsanleihen aufkauft, die in etwa so wertvoll sind, wie die Bilder von meinem 4-Jährigen Neffen am Kühlschrank? Hübsch anzuschauen, gewiss mit einem hohen ideelen Wert. Aber faktisch keine gute Anlage für die nächsten paar Jahrzehnte?

Das der Steuerzahler ein weiteres Mal für das globale Kasino aufkommen muss, ist eine Binsenweisheit. Spannender ist doch, dass er dies völlig bereitwillig, ja fast desinteressiert schluckt. Man mag Griechenland Rettung ja zur Gretchenfrage Europas hochstilisieren – nur tut das momentan irgendwie niemand. Mit blökender Gleichgültigkeit stopft das Volk Kohlenhydrate in seinen überfetteten Körper und hofft, die Bürokraten in Brüssel werden schon das Richtige tun. Mit einer gesunden Einstellung zur Demokratie hat das nur noch wenig zu tun.

Würde sich der Urnenpöbel zumindest freuen, die D-Mark wiederzubekommen. Aber nö … solange Heidi Klums hammergeile Kombo von Magersüchtigen auch morgen noch kraftvoll in die Kloschüssel kotzt, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Sport ist Mord

2010
05.15

In der unbedeutenden Provinzstadt, die der Misanthrop seine Heimat nennt, findet morgen ein gigantische Sport-Massenveranstaltung statt, die Neudeutsch “Sport-Event” oder auch “Citylauf” genannt wird. Tausende junger und alter Menschen werden sich die Kehle aus dem Leib rennen.

Warum Menschen Sport treiben, diese Frage hat der Misanthrop aufgehört sich zu stellen. Das “Sport treiben” aber noch immer als etwas gutes, wünschenswertes – ja fast schon moralisches gehandelt wird, beschäftigt ihn dann doch. Wer weder aktiv Sport treibt noch sich sonderlich für jene Profisportarten interessiert, die passgenau auf Massenmedien und kollektive Heilserfahrungen zugeschnitten sind, gilt in diesem Land ja fast schon als Aussätziger. Gerade mal einen Deut besser als jemand, der kleinen Kinder das Tretrad klaut oder ein katholisches Pfarramt bekleidet. Ganz unten also.

Schlimm ist diese ganze Ideologie vor allem, weil sie mit der Sozialstaatsdebatte verknüpft wird. Nicht nur, dass Sportverletzungen sinnlos Milliarden im Gesundheitssystem verbraten, nein, sportliche Menschen haben im Alter quasi an allen Stellen ihres Körpers schmerzhafte Ausfallerscheinungen – nur nicht im Herz-Kreislaufsystem. Das pumpt fleißig, bis sie 100 werden. Im Amateurbereich wird hier zwar hart mit dem Konsum von Bier und Bratwürsten gegengesteuert, aber letztlich belasten auch künstliche Kniegelenke unsere armen Krankenkassen.

Der Misanthrop tritt daher für eine Welt ohne Sport ein – oder zumindest ein Anti-Sport Bonusprogramm, bei dem ich von meinem Pizza-Lieferdienst, der Videothek und Ikea Stempel bekomme, mit denen ich am Ende des Jahres Geld von meiner Krankenkasse zurück bekomme.

Spekulanten in die Psychoanalyse

2010
05.12

Der Misanthrop ist längst über die Lebensphase hinaus, in der er den Kapitalismus mit glühendem Herzen bekämpfen wollte. Der aktuelle Angriff anonymer Finanzhaie gegen den Euro nimmt er dann aber doch mit Wohlwollen zur Kenntnis.

Immerhin ist die eigentliche Wirtschaftskrise offiziell ja schon wider vorbei. Es gab eine kleine Schelte gegen Banken, in den USA wurden ein paar Leute vors Gericht geschleppt und den Rest der Zeche hat eben der Steuerzahler bezahlt. Das schönste aber waren all die Sonntagsreden, in denen ein neuer Geist gefordert und die Wirklichkeit des Neoliberalismus als “von gestern” und “wird nie wieder passieren” abgewatscht wurde. Ja, einige Wirtschaftswissenschaftler konnten sich sogar nicht entblöden, die Selbstreinigungskräfte des Marktes anzupreisen.

Bullshit. Es wird weiter spekuliert. Diesmal nicht gegen einzelne Banken oder Unternehmen, diesmal nicht auf faule Kredite oder gegen drittklassige Bananenrepubliken irgendwo am Arsch der Welt. Diesmal geht der Angriff gegen Europa, gegen die vermeintliche Wiege der westlichen Zivilisation. Gegen jene Länder, in denen die Finanzhaie dereinst so krasse Sachen wie “Wirtschaftwissenschaften und öffentliches Recht auf Magister” oder “Finanzbuchhaltung mit Nebenfach Volkswirtschaftslehre auf Diplom” studiert haben.

Die menschliche Gier kennt keine Grenzen. Das ein Kontinent mit hunderten von Millionen Menschen da mal eben kaputtgezockt werden soll, dass da ein fragiles politisches System wie die EU auf der Kippe steht – wen interessierts. Hauptsache mein Carport hat eine Solarbetriebene Heizung und die meines Nachbarn nicht einmal mehr ein umweltfreundliches Auto.

Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Wirklichkeit, glaubt der Misanthrop. Die Jungs an den Börsen, die “Heuschrecken”, die Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer aber scheinen derart in ihrer eigenen Welt gefangen, derart nur noch um ihre eigene Selbstherrlichkeit kreisend, dass man hier mit einiger Begründung von besonders geisteskranken Menschen sprechen kann. Sie gehören allesamt in eine Psychoanalyse und sollten dort mit sich selbst klären, wo der Zusammenhang besteht, heute den Euro vernichten zu wollen, nur weil sie damals ein Mal zu oft an Mamis Brust nuckeln durften.

Das Wort zum Sonntag

2010
05.08

Eigentlich wollte ich die rote Pille nehmen. Aber nein, das Kanninchen sagte, ich solle mich für die grüne entscheiden. Das tat ich dann auch und schwupps, schon landete ich auf dieser Welt.

Ich bin felsenfest überzeugt, dass es genau der negative Einfluss dieses Nagetiers war, der von der Griechenland-Pleite über die Ölpest im Golf von Mexiko bis Kurt Beck für alle Katastrophen der jüngeren Vergangenheit schuldig ist. Und ich werde nicht ruhen, ehe ich dem Rammler nicht seine schmalzigen Ohren entsprechend lang gezogen habe!